Flüchtlinge verkaufen syrische Linsensuppe in Bad Essen

Vor dem Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt hat Jutta Lange mit (von links) Read, Yousseff und Mustafa syrische Speisen gekocht.
Vor dem Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt hat Jutta Lange mit (von links) Read, Yousseff und Mustafa syrische Speisen gekocht.

Mit dem ersten Kochevent in Juttas Kochbar ging der Verein OK! Bad Essen am ersten Advent an den Start. Flüchtlinge aus Syrien kochten unter anderem syrische Linsensuppe und verkauften diese auf dem Bad Essener Weihnachtsmarkt.
Tahar, Restaurantbesitzer aus Aleppo, und Mustafa, der vor seinem Jurastudium zwei Jahre in einem Restaurant gearbeitet hat, kennen sich aus. Zusammen mit Yousseff, Raed und Mosa, allesamt leidenschaftliche Köche, rührten sie am ersten Advent in den großen Töpfen von Juttas Kochbar bei BlütenGenuss Honermeyer in der Bad Essener Lindenstraße.

Syrische Linsensuppe beliebt

Die syrische Linsensuppe, die von Nader, Rami und Rateb draußen gegen eine Spende ausgeteilt wurde, war am Nachmittag, kurz bevor der Weihnachtsmann im strömenden Regen mit Pferd und Wagen die Lindenstraße entlangsauste, bereits bis auf einen kleinen Rest verspeist. Das Lob galt den Köchen – alle waren begeistert, und manch einer verlangte noch „einen Nachschlag“.
Der erfahrene Koch Peter Knödgen und Moritz Stegmann, beide von OK! Bad Essen , hatten gemeinsam mit den Flüchtlingen aus Syrien die Zutaten in einem orientalischen Laden in Osnabrück gekauft und alles vorbereitet. Jutta Lange, Inhaberin von Juttas Kochbar, unterstützte die jungen Köche und war mit Begeisterung dabei.

Weitere Kochevents

Die zufriedenen Gesichter und die lobenden Worte der Passanten, die dem Duft der Suppe nicht widerstehen konnten, sorgten für den gelungenen Auftakt einer Serie von Kochevents, die Jutta Lange im Jahr 2016 mit dem Verein OK! Bad Essen unter dem Berliner Label „Über den Tellerrand kochen – Gemeinsam für ein besseres Wir“ veranstalten wird.
An jeweils zwei Tagen im Monat wird Juttas Kochbar im Jahr 2016 in ein syrisches „Pop Up-Restaurant“ mit rund 35 Plätzen verwandelt. Der Startschuss fällt am 4. Februar 2016. Reservierungen sind ab sofort möglich an die E-Mail-Adresse j.lange@kabelmail.de.

veröffentlicht am 04.12.2015, mit freundlicher Genehmigung des Wittlager Kreisblattes


3333-Euro-Spende für den Verein „OK!“ Bad Essen

Wirtschafts-Beirat und Kaffeemühle übergaben gemeinsam die Spende in Höhe von 3333 Euro.
Wirtschafts-Beirat und Kaffeemühle übergaben gemeinsam die Spende in Höhe von 3333 Euro.

Bad Essen. Der Wirtschafts-Beirat Bad Essen hat sich in der Vergangenheit durch Aktionen für den guten Zweck einen Namen gemacht. Dieser Beirat der besonderen Art tritt einmal monatlich zusammen, um nach eigener Aussage „die aktuellen Themen des Zeitgeschehens zu beraten, zu diskutieren und zu bewerten“. Dabei wird von dem aus neun Personen bestehenden Gremium darauf geachtet, dass gute Laune und Geselligkeit nicht zu kurz kommen.

Deshalb treffen sich die Mitglieder in einer Schankwirtschaft, und daher rührt auch der Name „Wirtschafts-Beirat“. Im Gegensatz zu anderen Stammtischen, die sich üblicherweise immer am selben Ort treffen, besucht der Wirtschafts-Beirat verschiedene Gasthäuser im Barre-Land.

Kooperation mit Kaffeemühle

Bei einem Treffen in der „Kaffeemühle“ am Bad Essener Kirchplatz kam aus einer Laune heraus denn auch die Idee auf, eine Party zu veranstalten und gleichzeitig anderen Menschen zu helfen. Die „Kaffeemühle“ sagte im Jahr des 25-jährigen Bestehens spontan „Ja“, und so konnte eine außergewöhnliche Party in lockerer Atmosphäre steigen, bei der am Ende auch dank der Unterstützung durch die „Räte“, durch Trinkgelder und Spenden sowie die Sponsoren Barre, Maisel und Carolinen der stattliche Betrag von 3333 Euro zusammenkam.

Diese Spende wurde nun vom Wirtschafts-Beirat mit Mike Eickhof und Jens Strebe an der Spitze an Norbert Wessel vom Verein „OK! Bad Essen“ für die Flüchtlingshilfe übergeben. Der Name „OK!“ steht für offene Kommune und unterstützt Migranten und Flüchtlinge bei der Integration in die Gesellschaft der Gemeinde Bad Essen.

Im Rahmen des Weihnachtsmarktes wird „OK! Bad Essen“ am Sonntag ab 12 Uhr vor dem Blumenhaus Honermeyer an der Lindenstraße gemeinsam mit mehreren Asylbewerbern eine syrische Linsensuppe anbieten. Wem es schmeckt, der dankt mit einer Spende.

Text und Foto: Andreas Schnabel
veröffentlicht am 28.11.2015, mit freundlicher Genehmigung des Wittlager Kreisblattes


Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Bad Essen bündeln

Der Vorstand des neuen Vereins. Von lnks: Klaus Haasis, Susanna Stockmeyer, Andrea Wirsching-Schulz, Jens Strebe, Norbert Wessel, Timo Natemeyer, Viktoria von dem Bussche, Andreas Rohdenburg und Peter Knoedgen.
Der Vorstand des neuen Vereins. Von lnks: Klaus Haasis, Susanna Stockmeyer, Andrea Wirsching-Schulz, Jens Strebe, Norbert Wessel, Timo Natemeyer, Viktoria von dem Bussche, Andreas Rohdenburg und Peter Knoedgen.

Bad Essen . „OK! Bad Essen“, so heißt ein neuer Verein. Mehr als 170 Menschen haben sich im Saal von Högers Hotel eingefunden. Im ersten Teil des Abends, wie Moderator Jens Strebe ausführt, um sich informieren zu lassen, Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten, im zweiten Teil, um einen Verein zur Koordination der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Bad Essen zu gründen.
Als Peter Knoedgen aus Linne zum Ende seines Erfahrungsberichtes über die Arbeit mit den Flüchtlingen in der Unterkunft in Rabber angekommen ist – „ es macht richtig Spaß und wenn man mit der Sprache nicht weiterkommt, kommuniziert man durchs Tun, beispielsweise beim Kochen von Kürbissuppe oder beim Reparieren dringend benötigter Fahrräder“ –, wird er darauf aufmerksam gemacht, dass vier Syrer aus Rabber an diesem Abend dabei sind. Er begrüßt sie lachend und erfreut und spontan brandet im Auditorium Beifall auf. Die Bad Essener heißen die vier jungen Männer, die freundlich zurücklächeln, auf diese Art spontan willkommen.
Von der Notwendigkeit, Wohnungen für Flüchtlinge aufzutun und in der Burg Wittlage zum Beginn kommenden Jahres eine „Zwischenunterkunft“ mit etwa 70 Plätzen anzubieten, berichtet Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer.

Es kommen auch Einzelpersonen

Es sei zu verstehen, dass Vermieter ihre Wohnungen „lieber an Familien“ vergeben würden und ungern an die allein kommenden, oft jüngeren Männer, doch so sei es eben: „Anders als die Fernsehbilder zeigen, kommen überwiegend keine Familien mit Kindern in Deutschland an, sondern männliche Einzelpersonen.“ Aus Niedersachsen kenne er die Zahl von nicht mehr als sieben Prozent der Ankommenden, Tendenz sogar noch sinkend. Die unbegleiteten Minderjährigen sind zunächst in einer „Clearingstelle“ im Haus Sonnenwinkel untergebracht, so Natemeyer. Die drei Gemeinden Bohmte, Ostercappeln und Bad Essen hätten sich überdies, mit Standort in Bohmte und notwendigem Personal, zur Zusammenarbeit entschlossen. „Wenn wir, wie es sich an anderen Stellen bereits bewährt hat, Zusammenhalt üben und uns gegenseitig unterhaken, werden wir diese Herausforderung meistern“, zeigt sich der Bürgermeister überzeugt.
Neben Peter Knoedgen berichtet Friso Reinecke, Katastrophenschutzbeauftragter, von den vielfältigen Aktivitäten des Deutschen Roten Kreuzes in der aktuellen Zuwanderungssituation – von Unterkünften, die hergerichtet werden, von Begegnungen mit Menschen, „die sehr gern Hilfe angenommen haben und teilweise völlig erschöpft waren“ und davon, dass auch die Kleiderkammer des DRK in Rabber Kleiderspenden für Flüchtlinge entgegennimmt. Seine Erfahrung: Es entstehe „ein Miteinander“ wie bei Nachbarn, mal sehr gut und freundschaftlich, mal etwas holperiger.

Miteinander sprechen

„OK! Bad Essen“ möchte die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in Bad Essen bündeln und dazu beitragen, dass Integration gelingt, dass man miteinander spricht, Flüchtlinge nicht nur Gesprächsstoff sind, sondern zu Gesprächspartnern werden“, das betont Viktoria Freifrau von dem Bussche, eine der Initiatorinnen der Gründungsversammlung. Und sie spricht das „O“ und das „K“, das für ‚offene Kommune‘ stehe, bewusst Englisch aus, denn OK! Bad Essen höre sich gut an für das, was zu tun sei. In Bad Essen wolle der Verein dafür sorgen, „dass die Menschen die zu uns kommen, hier glücklich sind!“ Noch seien es nur wenige Flüchtlinge, die Unterstützung benötigten, doch es sei damit zu rechnen, dass sich die Zuweisungen schon bald auch für das Wittlager Land erhöhen würden, was Timo Natemeyer bestätigte.

107 Unterzeichner

Nach einer Pause blieb mehr als die Hälfte der Anwesenden im Saal, letztlich fanden sich stolze 107 Unterzeichner des Gründungsprotokolls von OK! Bad Essen zusammen. Diese Mitgliederversammlung, der ebenfalls Jens Strebe, der Bad Essener Ortsbürgermeister, als Versammlungsleiter vorstand, wählte dann auch in jeweils offener Abstimmung den Vorstand des neuen Vereins. Zum ersten Vorsitzenden wurde der gebürtige Hunteburger Norbert Wessel gewählt. Der Kaufmann lebt mit seiner Familie in Harpenfeld. „Das alles passiert vor unserer Haustür – man kann nicht einfach zuschauen“, sagt der 55-Jährige. Seine Stellvertreterin ist Viktoria Freifrau von dem Bussche, Peter Knoedgen wird zum Kassenwart bestimmt und Klaus Haasis zum Schriftführer. Zu Beisitzern wählt die Versammlung, Andrea Wirsching-Schulz, die derzeit als Stütze der Bad Essener Flüchtlingsarbeit vor Ort gilt, Andreas Rohdenburg, Diakon der evangelischen Kirchengemeinde in Lintorf und Susanna Stockmeyer. „Gebt uns 14 Tage, dann sind wir arbeitsfähig“, kündigt von dem Bussche an.
Und wer beispielsweise für deutsche Konversation in Rabber zur Vertiefung des im Deutschunterricht Gelernten zur Verfügung stünde, solle sich direkt per Mail bei ihr melden. (Email: v.bussche@ippenburg.de )
Text und Foto: Imma Schmidt
veröffentlicht am 06.11.2015, mit freundlicher Genehmigung des Wittlager Kreisblattes